Wie sieht die Zukunft des Marktes für Elektrofahrzeuge aus? 

20.02.24

Seit 2010 ist die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen deutlich gestiegen. Bis 2019 lag der Anteil der BEV und PHEV an den Neuzulassungen in der EU-27 unter 10 %, stieg dann aber sprunghaft an und erreichte 2023 rund 23 %, was eine Verschiebung der Verbraucherpräferenzen widerspiegelt. 

Elektroautos haben eine glänzende Zukunft vor sich, da sie von den Umweltproblemen, wie der globalen Erwärmung, profitieren.  Auch wenn Elektroautos heute teurer sein mögen, so sind sie doch insgesamt günstiger und werden es in Zukunft sein. So führen beispielsweise weniger komplexe Motoren zu 35% geringeren Wartungskosten, die Ladekosten sind im Vergleich zu Benzinautos um durchschnittlich 70 % niedriger und die Käufer können verschiedene Formen von Subventionen/Anreizen in Anspruch nehmen. Wichtig ist auch, dass Europa die Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2035verbieten wird.   

Aber das geht nicht ohne Turbulenzen. Derzeit erleben wir eine neue Welle der Skepsis. Warum verlassen einige Investoren den Markt für Elektroautos, wie BBC’s Top Gear es erwähnte? Welche Gefahren drohen dem EV-Markt?   

  • Die Zinssätze: Steigende Zinssätze haben zu einem Rückgang der Verkäufe geführt. Auch wenn es keine klare Vorstellung gibt, wie sich diese entwickeln werden, tendiert die Inflation nach unten und die Zinsen könnten dem gleichen Trend folgen.  
  • Rasante technologische Entwicklung: Die Batteriekapazität nimmt zu, mit WLTP-Messungen von bis zu 700 km. Auch die Ladekapazitäten entwickeln sich rasant: Die Autos werden immer schneller aufgeladen, einige Modelle können beispielsweise nach einer Ladezeit von nur 5 Minuten rund 200 km weit fahren. Die Folge dieser rasanten Entwicklung ist, dass die Verbraucher mit dem Kauf ihres Autos warten, weil sie wissen, dass bald ein anderes mit grösserer Kapazität auf den Markt kommen wird. 
  • Sorgen um die Batterie: Trotz des rasanten technischen Fortschritts haben die Autofahrer immer noch Angst, dass die Batterie ausgeht, bevor sie ihr Ziel erreichen, oder dass das Aufladen unterwegs mühsam ist. Um diese Bedenken zu zerstreuen, verbessern die Autohersteller ständig die Batterieleistung und die Ladezeiten, die immer kürzer werden. Auch die Länder wollen die Energiewende im Rahmen der Elektromobilität fördern und bauen daher ihre Infrastruktur mit immer mehr Ladestationen aus. Darüber hinaus gibt es einige Unsicherheiten bezüglich der Lebensdauer der Batterien, da diese stark von den Wetterbedingungen und den Ladegewohnheiten abhängt. Ein Beispiel: Die gleiche Batterie hält in Florida 5 Jahre, in Alaska aufgrund des kalten Wetters 13 Jahre. 
  • Mangelnde Aufklärung: Die Menschen haben immer noch viele falsche Vorstellungen von Elektroautos, was sie vom Kauf abhält. Laut einer von Ford durchgeführten Studie glauben 90 % der befragten Amerikaner und Europäer, dass E-Autos eine schlechte Beschleunigung haben, obwohl in Wirklichkeit alle E-Autos aufgrund ihres sofortigen Drehmoments eine gute bis beeindruckende Beschleunigung haben. 
  • Rohstoffe–und Versorgungskosten: Batterien werden derzeit aus Materialien wie Lithium und Kobalt hergestellt, deren Gewinnung teuer und umweltschädlich ist und die nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen. Die Automobilhersteller haben Schwierigkeiten, preisgünstigere Modelle anzubieten, da ihre Gewinnspannen schrumpfen. Mehrere Unternehmen arbeiten derzeit an der Lösung dieses Problems, indem sie kleinere Batterien entwickeln, die mehr Energie speichern und sich schneller aufladen lassen, so dass weniger Rohstoffe benötigt werden.  
  • Der Wettbewerb: Die traditionellen Hersteller sehen sich durch den Markteintritt der Herausforderer von Elektroautos unter Druck gesetzt. Diese bieten ein ähnliches Qualitätsniveau, manche sogar eine bessere Batterie zu einem günstigeren Preis, was die Verbraucher von den westlichen Marken ablenkt. Dennoch wird es noch einige Zeit dauern, bis asiatische Autos die Mehrheit der Marktanteile erobern, da sie auf den amerikanischen und europäischen Märkten noch kein starkes Markenimage aufgebaut haben. Und auch wenn die Digitalisierung weltweit Einzug hält, schätzen viele Kunden nach wie vor den Kontakt zu Autohändlern, um Autos zu sehen, zu testen und über ihre Eigenschaften zu diskutieren. Daher ist das Netzwerk immer noch von grösster Bedeutung.   

Man kann also sagen, dass die Einführung von Elektrofahrzeugen auch eine Welle der Veränderung auf dem Automobilmarkt ausgelöst hat. Neue Akteure sind in den Markt eingetreten, haben ihn mit ihrem unkonventionellen Managementstil durcheinander gebracht und die traditionellen OEMs in den Schatten gestellt. Warum werden einige traditionelle OEMs von Newcomern wie Tesla oder BYD ausmanövriert?   

Betrachtet man den Marktanteil von Elektrofahrzeugen in den USA, so hat Tesla mit 72 % im Jahr 2021 alle anderen Hersteller weit hinter sich gelassen, während die traditionellen OEMs nicht einmal in die Nähe von 10 % kommen. Warum eine solche Kluft? Dafür gibt es mehrere Gründe:  

  • Vorreiter: Tesla hat den EV-Zug in Gang gesetzt, andere Autohersteller folgten nur langsam. Dieselbe Marke führte 2019 auch ihren E-Commerce-Shop ein, während die meisten traditionellen OEMs drei weitere Jahre brauchten, um dasselbe zu tun. Die Newcomer treiben die Innovation voran, und zwar schnell.  
  • Schnelligkeit: OEMs haben eine traditionelle Unternehmensstruktur mit einer starren Hierarchie, während Newcomer das Start–up-Modell mit einer flachen Hierarchie nutzen, was zu einer schnellen Entscheidungsfindung und Umsetzung führt.  
  • Produktion: OEMs bieten viel mehr Modelle und Anpassungen an, was zu komplexen Produktionslinien führt. Newcomer gehen das Risiko ein, Autos mit einfachen Design und minimaler Anpassungen anzubieten, was ihre Zielgruppe anspricht.  
  • Risikobereitschaft: Newcomer sind innovationsfreudig und risikofreudig, während grosse Konzerne eher risikoscheu und sicherheitsorientiert sind.  
  • Fachwissen: Viele OEMs verfügen nicht über das gesamte Fachwissen im eigenen Haus, was sie von externen Faktoren abhängig macht, während Newcomer eher die gegenteilige Strategie verfolgen. 
  • Vertrieb: OEMs verlassen sich hauptsächlich auf physische Händler, obwohl wir uns im digitalen Zeitalter befinden. Die Kunden schätzen den persönlichen Kontakt mit einem Verkäufer, wollen aber auch die Möglichkeit haben, ihre Fahrzeugbestellung und -zahlung zu 100 % digital abzuwickeln.   

Auch wenn Newcomer den OEMs auf dem EV-Markt voraus sind, darf man nicht vergessen, dass sie erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um ihr Markenimage aufzubauen. Darüber hinaus sind einige von ihnen stark von der Finanzierung durch die OEMs abhängig, wie z. B. Polestar von Volvo, das erst kürzlich ausgegliedert wurde.   

OEMs können auch nach Lösungen suchen, um ein flexibles, bequemes und nahtloses digitales Erlebnis zu bieten, indem sie eine reine Finanzierungslösung wie LeaseTeq nutzen. Ausserdem müssen sie ein umfassendes Ökosystem schaffen, in dem Kunden ihren Gebrauchtwagen einfach verkaufen/kaufen/leasen können. Auf diese Weise könnten sie zusätzliche Einnahmen generieren und gleichzeitig ihre Kunden entlasten.  

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Markt für Elektroautos zwar einen kurzfristigen Einbruch erlitten hat, aber viele Verbraucher überzeugt und entschlossen sind, umweltfreundlichere Lösungen zu nutzen, was sich in naher Zukunft sicherlich in den Verkaufszahlen für Elektroautos niederschlagen wird. Die neuen Hersteller haben noch einen langen Weg vor sich, bevor sie den europäischen Markt dominieren, was den westlichen Herstellern Zeit gibt, ihre Karten richtig auszuspielen, indem sie die notwendigen Innovationen in ihre Produkte einfliessen lassen. Wir glauben an eine sehr vielfältige automobile Zukunft, in der verschiedene Antriebstechnologien und Vertriebsmodelle noch lange nebeneinander existieren werden.

Quellen:
Le Point – La voiture électrique entre dans la bataille des prix
Beev – Chinese vs. European electric cars
CARSLOTH – The most common problems with electric cars 

BBC – Three big reasons Americans haven’t rapidly adopted EVs 
blink – Fact from Fiction: Why Many Consumers Don’t Buy EVs 
BONPOTE – La voiture électrique, solution idéale pour le climat ? 
mediabask.eus – L’avenir de la voiture électrique s’assombrit 
Soyez au courant – Batterie de voiture électrique: où allons-nous?
clubic – La vitesse de charge record de cette nouvelle nouvelle batterie pourrait faire taire les débats sur la voiture électrique
Fleet News – EV range test: how far can the latest models go?
BBC TopGear – Opinion: investors are getting cold feet over electric cars, and here’s why 
European Environment Agency – New registrations of electric vehicles in Europe 
MOBILITY PORTAL EUROPE – 2023: Foreign automakers dominate EV market share in the EU 

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